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Günter Feuerstein erklärt den Magic Switch Cast

Interview anlässlich der Filmaufnahmen zum Magic Switch

(Fisch und Fang DVD im Sonderheft 20 "So wirft man die Fliege "  Kaptitel 5: Wie Profis werfen)

 

1. Welche Werfer/ Wurftechnik hat dich am nachhaltigsten beeinflusst?

Es gibt eine Wurftechnik, die besonders mich als Österreicher nachhaltig beeinflusst hat. Dies ist die Gebetsroither Technik. Ich schule Anfänger prinzipiell mit dieser österreichischen Wurftechnik, weil sie einen besseren Kontakt zum Ende der Fliege erlaubt, was für Anfänger natürlich wichtig ist. Natürlich sind für die modernen Geräte leichte Anpassungen des Stils notwendig. Um eine moderne Rute wirklich tief laden zu können, brauchen sie das Handgelenk, was für die steifen Ruten zur Zeit Gebetsroithers nicht notwendig war bzw. es wäre wahrscheinlich schwierig gewesen, diese Ruten überhaupt tief zu laden. Deshalb hat Gebetsroither auch von der Verwendung des Handgelenks abgeraten. Wahrscheinlich hätte dies bei dem damaligen wesentlich schwereren Gerät auch jeder Arzt getan. Auch wenn ich nie einen Kurs besucht habe, so waren doch Leute wie Moser oder Hebeisen für uns Junge damals die großen Vorbilder. Auch sie haben sicher sehr viel für die Fliegenfischerei im Alpenraum getan. Ein zweiter großer Mann für die europäische Fliegenfischerei und jemand den ich persönlich sehr schätze, ist mein Freund Göran Andersson aus Schweden, der nicht nur die Unterhand Technik entwickelt hat sondern auch immens viel im Bereich der Entwicklung von Fischereigeräten geleistet hat.

 2. Wenn du deine werferische Entwicklung betrachtest, in welche drei Stufen würdest du sie gliedern?

  • Die Do-it yourself-Phase, da wir damals nur selbst gebasteltes Gerät hatten. Nach dem Motto: Hauptsache es macht Spaß, haben wir damit die ersten Döbel gefangen.
  • Die Lern- und Experimentierphase oder die Phase der Begegnung mit unterschiedlichen Stilen – Try and Error bis zum Doppelzug(einschneidend) und nachher viel Üben bis hin zur Erfindung diverser neuer Würfe
  • Die Lehrphase – durch das Lehren kamen nochmals wichtige Erkenntnisse hinzu. Man lernt von jedem Kursteilnehmer. Jeder Wurflehrer, der dies verneint, bleibt irgendwie stehen.

3. Worauf führst du deine exzellenten werferischen Fähigkeiten zurück?

Über exzellent müssen andere entscheiden, doch im Sport gibt es den Begriff der physiomotorischen Schranke. Dies bedeutet, dass man in einem bestimmten Bereich aufgrund seiner körperlichen Vorgaben (Armlänge, Winkelverhältnisse, etc. spielen hier eine wichtige Rolle) an seine Grenzen stößt und nicht mehr weiterkommt. Ich kann zwar nicht 240 cm hoch springen, da meine körperlichen Vorgaben in diesem Bereich nicht optimal sind, doch in punkto Feingefühl für Bewegungen im Handgelenk und dem Gefühl für das korrekte progressive Beschleunigen, ist meine Schranke vielleicht etwas höher angesetzt als bei einem Großteil der Fliegenfischer.

4. Aus welchen Gründen legt die EFFA die „Messlatte“ bei den werferischen Anforderungen der Instuktorenprüfung höher als vergleichbare Organisationen?

Dies hängt damit zusammen, dass wir in Europa und besonders hier im Alpenraum und im Hohen Norden einen wesentlichen höheren Durchschnittslevel der Fliegenfischer haben als in anderen Bereichen der Erde. Dies hat verschiedene Gründe, die Insidern auch bekannt sind. Ich denke, dass man sich als Organisation Gedanken darüber machen und die Richtlinien daran anpassen sollte, um wirklich gute Instruktoren herauszubringen. Ein weiterer Grund ist der, dass in Europa Qualität wichtiger ist als Quantität. Aus diesen Gründen liegt die Latte bei der EFFA einfach höher als bei dem von uns für Europa nicht akzeptierten Test der Amerikaner(FFF). Den Test zu bestehen, ist eine Sache, einen guten Namen jedoch, muss man sich hart erarbeiten.

5. Mit welchem Rutentypen wirfst du am liebsten? ( Spitzenaktion, semiparabolisch parabolisch, schnell, mittelschnell )

Dies hängt mit dem jeweiligen Gewässer zusammen, das ich befische. Da ich immer versuche Teil des Elements zu sein in dem ich mich bewege, muss auch meine Rute zum dem Temperament des Wassers passen, damit sich Harmonie ergibt. Wenn ich beispielsweise an einem langsamen Spring Creek mit der Trockenfliege fische, dann sind meine Bewegungen langsamer und sachte und die Rute sollte dazu auch passen. Wer mich an einem etwas schnelleren Alpenfluss mit der Nymphe fischen sieht, der stellt fest, dass sich meine Art der Werferei und Fischerei mit langsamem Gerät überhaupt nicht durchführen ließe. Dafür verwende ich dann progressive Ruten, die bei Belastung auch den unteren Rutenbereich gut laden, was für meine Switch Cast Techniken von großer Bedeutung ist. Da ich viele dieser Techniken optimiert habe und der erste war, der in Mitteleuropa versucht hat, diese Wasserwürfe bewusst unter die Leute zu bringen und zu forcieren  musste mein Gerät natürlich dazu passen. Ruten mit Spitzenaktion sind dazu generell nicht geeignet. Ganz allgemein liebe ich Ruten, die in jeder Situation auf meine Bewegungen unmittelbar reagieren und wo ich mich nicht zu viel konzentrieren oder auf ihre Reaktion erst warten muss. Jeder hat da jedoch seine eigenen Vorlieben.

6. Welchen Leinentyp bevorzugst du?

Generell liebe ich die Triangel Tapers und keine zu langen Keulen. Sehr gut geeignet sind auch die LOOP Schnüre(z.B. die Opti Stillwater). Lange Keulen eignen sich eher nur für weite Überkopfwürfe, da sie einen längeren Schiebeweg benötigen. Wenn man allerdings kraftsparende Switches machen möchte, dann sind lange Driftbewegungen nicht nur für Fische störend, sondern man braucht auch wesentlich mehr Energie. Fliegenfischen bedeutet für mich jedoch Harmonie, Eleganz und Entspannung.

7. Welche Rutenlänge ist „deine“ bevorzugte Länge?

Da ich meistenteils mit der Nymphe fische, sind für mich 9 Fuss Ruten ein guter Kompromiss zwischen ausreichender Länge für verschiedenste Mendings und noch nicht zu großem und ermüdenden Hebel.

8. Welchem bekannten Wurfstil entspricht der deinige am ehesten und was zeichnet diesen Stil gegenüber den anderen (angelsächsischen-amerikanischen) Varianten aus?

Mein Stil ist ein Mix, der geprägt ist von Gebetsroither, doch für lange Wurfweiten werfe ich zwar logischerweise oben drüber, aber trotzdem aus der Schulter. Meine Switch-Techniken(Magic Switch) sind am ehesten noch mit den Unterhand Techniken von Göran Andersson vergleichbar, doch auch Göran weiß, dass wir unterschiedlich werfen (auch abgesehen vom Zeigefinger), uns jedoch in der Philosophie in allen Bereichen des Fliegenfischens sehr ähneln.

Der Wurfstil ist jedoch abhängig vom Ort des Geschehens, denn würde ich in England oder Irland in einem Boot sitzen und im Gebetsroither Stil werfen, so hätten wohl meine Mitfischer keine Freude damit, wenn ich ihnen dauernd seitlich über die Köpfe ziehen würde.

9. Welche Würfe sollte ein Fliegenfischer für seine Praxis „drauf“ haben?

Den Rollwurf als Anfänger und den Magic Switch (Cast) oder den Unterhandwurf als Fortgeschrittener. denn mit diesen Würfen als Basiswürfe lässt sich fast jede Situation am Wasser mit wenig Rückraum bewältigen und der Überkopfwurf ist mit Ausnahme des Wasserkontaktes im Grossteil der Bewegung fast gleich. Ein Grund mehr für den Gebetsroither Stil und gegen ein Style Switching.

10. Welche drei Ratschläge würdest du einem Fliegenfischer geben, der alleine auf der Wiese werfen übt? (gleich, ob Anfänger oder Fortgeschrittener)

Abgesehen davon, dass ich aus didaktischen Gründen wann immer möglich mit dem Rollwurf beginne, gibt es für die Wiese schon ein paar grundlegende Dinge zu beachten.

  • Mit wenig Leine (Rute muss sich jedoch laden lassen) beginnen und Gefühl für das korrekte Timing und die richtigen Stopps bekommen und erst wenn dies klappt, Leine verlängern.
  • Nicht mehr Lehrwürfe wie nötig machen und sich nie überfordern also step by step.
  • Immer mit einem guten Wurf und noch bevor man ausgepowert ist, aufhören, da man mit einem positiven Bild im Kopf viel lieber wieder auf die Wiese steht.
 
 
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