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Einzigartige Beobachtung im Aquarium

Was imitiert das Wallerholz?

Der Wassertunnel beim Rhein-Schauen war 6 m lang und zirka 3 m hoch. Auf einer Seite tummelten sich Salmoniden und auf der anderen Seite Bewohner des Bodensees. Über den Zuschauern war ebenfalls Wasser. In diesem Beckenbereich waren Felchen und ein paar kleine Hechte untergebracht. Es bestand kein Zugang, weder zum linken noch zum rechten Bereich des Wassertunnels. Ich hatte zwar die Aufsicht über das Riesenaquarium, aber es kam immer wieder mal vor, dass Berufsfischer untertags lebende Fische vom Bodensee anlieferten und sie ohne meine Kenntnis in den rechten Bereich des Wassertunnel setzten. Am zweiten Morgen war plötzlich ein 1.40 m langer Wels im rechten Tunnel, der sich exakt im Zentrum des Tunnels breitmachte. Dort ruhte er den ganzen Tag und bewegte sich nicht. Am Morgen sah man jedoch, was er nachts angerichtet hatte. Zwei tote Zander mit 45 und 70 cm lagen im Becken, beide mit deutlichen Spuren einer Welsattacke im Nacken. Er hatte sie offenbar nur geschüttelt, dadurch getötet und dann ganz einfach liegen gelassen. Somit dezimierte er die Räuber im Becken. Am nächsten Tag sah ich, wie er dieses mit einem Wels von circa 70 cm ebenfalls machte. Der Fisch wurde hinter dem Kopf gepackt, heftig geschüttet,  dabei getötet und blieb schliessslich am Boden liegen. Gefressen hatte der Wels offenbar nur Rotaugen, die langsam weniger wurden.

Unterwasseraufnahme Wels
Wels in seinem Unterstand (Foto: G. Feuerstein)

Gegen Mitte der Woche hatten Berufsfischer wieder zwei riesige Karpfen von jeweils zwischen 15 und 20 Kilogramm Gewicht ins Becken entlassen. Sie blieben während des ganzen Tages knapp unter der Wasseroberfläche im oberen Bereich des Beckens. Als die letzten Besucher des Tages die Veranstaltung verließen, blieb ich noch eine Stunde im Raum, um zu beobachten, wie sich die Fische ohne das Vorhandensein von tausenden Menschen verhalten würden. Ich beobachtete, wie die beiden Karpfen langsam, aber sicher von der Wasseroberfläche herunterkamen und sich gegen die Mitte des zirka 3 m hohen Beckens bewegten. Plötzlich geschah etwas Einzigartiges. Ähnlich einer Kobra mit dem Kopf nach vorne gerichtet stellte sich der Wels in der Mitte des Beckens auf seinem Schwanz. Es machte den Anschein, als wenn er wirklich auf dem Schwanz stehen würde. In dieser Position verharrte er kurz und riss sein Maul zweimal hintereinander weit auf, als wie wenn er die Fische "verbellen" wollte. Dies verursachte ein Geräusch, das selbst ausserhalb des Beckens deutlich hörbar war. Es war m. E. absolut deckungsgleich mit den Klopfgeräuschen des Holzes, die unter Wasser vom GoPro aufgezeichnet wurden. Die Reaktion der Karpfen war enorm. Sie schossen kerzengerade nach oben und donnerten mit voller Wucht gegen die zwei je 5 cm dicken Schalungstafeln, die auf den Becken platziert wurden, sodass sie sich beide deutlich am Kopf verletzten. Im ersten Moment dachte ich dass alles ins Becken fallen würde. Der Wels legte sich alsdann wieder in die Mitte des Beckens. Er blieb dort auch liegen, während die Karpfen ganz oben an der Wasseroberfläche verweilten und sich selbst am nächsten Morgen immer noch dort aufhielten. Für mich machte es den Anschein, als würde das Geräusch des Wallerholzes das Geräusch des Wallers imitieren, das er von sich gibt, wenn er einen anderen Artgenossen oder einen anderen grösseren Fisch aus seinem Revier vertreiben will. Es ist also wie eine Drohgebärde des Welses (ähnlich der eines Hundes) der einen anderen Waller warnt, nicht näher zu kommen.

Ein solches Geräusch, könnte also durchaus einen Wels dazu veranlassen zur Quelle des Geräuschs aufzusteigen, um nachzusehen, ob er Konkurrenz in seinem Revier hat. Für mich ist dies eine durchaus plausible Erklärung.

Es wird mir immer in ewiger Erinnerung bleiben, wie dieser Waller sich auf den Schwanz gestellt und durch sein „Bellen“ die anderen Fische einfach nur aus seinem Umfeld vertrieben hat. So eine Szene werde ich wohl kaum ein zweites Mal beobachten dürfen.

Copyright © Günter Feuerstein