Wie entsteht der Ton beim Wallerholz?
Auch wenn man mich seit Jahrzehnten als Fliegenfischer und Fliegenfischerinstruktor kennt, so verlief zumindest bis Mitte der 90er Jahre meine Fischerei immer auch parallel zu anderen Fischereitechniken. Kaum jemandem ist bekannt, dass ich einer der ersten Boiliefischer im Rheintal war, noch bevor es überhaupt Boilies im Laden zu kaufen gab, dass ich in den 80ern während meiner Zeit als ich Irland arbeitete und danach dort mehrere tausend Hechte mit der Spinnrute fing oder ich schon in den 80ern in der Vojvodina auf Welse klopfte...
Seit den frühen 90ern fische ich praktisch ausschliesslich mit der Fliege. Einige meiner Fliegenfischerfreunde, die ich seit meiner Jugend kenne, und mit denen ich schon seit 35 Jahren alle 14 Tage immer noch zusammensitze, gingen in der vergangenen Saison mehrmals auch erfolgreich mit dem Bellyboot und dem Wallerholz ans Wasser. Erfolgreich waren sie allerdings nur mit dem typischem Waller-Tackle. Ich versuchte es trotzdem immer wieder mal vom Bellyboot mit der Fliege und dem Holz, da das Fischen vom Ufer aus am Bodensee nicht so einfach ist. Diese Fischerei ist zugegebenermassen sehr schwierig und allein ist das Klopfen und Werfen fast unmöglich. Dass Geräusche für den Wels sehr wichtig sind, ist unbestritten. Nicht umsonst hat er mit dem Weberschen Organ eine Möglichkeit zur Lokalisierung von Geräuschen, die unter Fischen einzigartig ist. Mit der Fliege ist die Methode von Rudi Heger mit Sicherheit einfacher, es sei denn, man kann in klarem Wasser den Fisch anwerfen. Dazu eignen sich aber nur wenige Gewässer, wie der Bleder See, der mittlerweile aber leider von Stand-Up Paddlern überlaufen ist, die die Fische vom Ufer in die Tiefe treiben. Schade, es war ein toller See, den ich aber heute aufgrund dieser Umstände nicht mehr zur Befischung empfehle.
Dem Ursprung des Geräuschs auf der Spur
Nun aber zurück zum Punkt, wie es zu diesem Artikel kam. An einem Stammtischgespräch fachsimpelten meine Kollegen über diverse Wallerhölzer, die sie gekauft hatten. Dabei kamen wir auch auf den Ursprung des Geräusches zu sprechen. Für mich machte das Platzen der Blase beim Austreten des Holzes an der Oberfläche als Geräuschquelle überhaupt keinen Sinn, da der Schall ja nach unten weggehen sollte. Auch glaubte ich mich zu erinnern, dass ich beim Klopfen den Ton eigentlich früher hörte. Da ich immer sehr genau bin, wenn es um solche Dinge geht, die ich anders wahrgenommen hatte, setzte ich mich am nächsten Tag an den Rand meines Swimmingpools und klopfte mit verschiedenen Hölzern. Dabei versuchte ich akustisch genau zu eruieren, in welchem Moment der Ton entstand. Er war eindeutig früher hörbar, doch am Stammtisch wurde ich nur belächelt, als ich über meine Versuche am Pool erzählte, und man verwies mich auf die Seiten der Waller-Profis im Internet. Da war entweder nichts oder tatsächlich nur über das Platzen der Blase an der Oberfläche beim Austreten des Holzes als Geräuschquelle zu lesen. Also ging ich einen Schritt weiter und montierte den GoPro unter Wasser auf einem Stativ, um sowohl die Blasen von unten zu filmen, als auch die Geräusche aufzuzeichnen. Gespannt sichtete ich die Videoaufnahmen und die Tonspuren und schnitt das Video auf der Rechten zusammen, dass belegt, dass der Ton des Holzes bereits früher entsteht.
Am Stammtisch wurde nicht mehr gelächelt, als ich die Ergebnisse meiner Versuche in Form des Filmmaterials belegen konnte, doch war der Groschen immer noch nicht gefallen, wie man bei uns sagt. Es ist unwahrscheinlich, wie schwer selbst unbelegten Meinungen im Netz beizukommen ist, wenn bekannte Leute aus der Szene sie verbreiten. Wahrscheinlich war es einfach eine persönliche Meinung, die sich verselbständigt hat. Die Videoaufnahmen belegen klar, dass sich offenbar bislang niemand die Mühe gemacht hatte, genauer hinter die Geräuschentstehung zu blicken. Ich bin zwar Akademiker, aber nicht vom Fach. Das macht es schwierig, die Dinge auch physikalisch so klar darzulegen, dass sie geglaubt werden. Es brauchte also noch die physikalische Erklärung des Phänomens.
Frag doch die KI!
Als Pädagoge bin ich mit den Möglichkeiten künstlicher Intelligenz vertraut. Wenn man richtig promptet, sollte es für die KI ein Leichtes sein, die Antwort auf die Frage, wie denn der Ton des Wallerholzes entsteht, zu beantworten. So war es auch. Die KI spuckte umgehend eine umfassende Antwort zur Herkunft des Geräusches aus, die alle Zweifler überzeugen sollte. Es faszinierte mich, wie klar die Entstehung des Geräusches von der KI schliesslich erklärt wurde:
ChatGPT:
"Der von einem Wallerholz erzeugte Ton kann aus physikalischer Sicht durch eine Reihe von Vorgängen erklärt werden, die im Wesentlichen mit der Interaktion von Festkörpern und Flüssigkeiten sowie der Entstehung und dem Kollaps von Luftblasen im Wasser zusammenhängen.
1. Mechanische Bewegung des Wallerholzes und die Entstehung der Blase
Das Wallerholz, ein stabähnliches Instrument mit einer runden Platte am Ende, wird ins Wasser geschlagen. Beim Eintauchen der runden Platte verdrängt sie zunächst das Wasser und drückt es seitlich weg. Dabei entsteht an der Rückseite des Holzes (hinter der Platte) ein kurzzeitiger Unterdruck. Dies führt dazu, dass eine kleine Luftblase gebildet wird, die durch die plötzliche Verdrängung und den entstehenden Druckunterschied hinter dem Wallerholz hergezogen wird.
2. Kollaps der Luftblase
Die entscheidende Geräuschquelle entsteht, wenn die Luftblase kollabiert. In der Physik ist bekannt, dass Luftblasen im Wasser, insbesondere kleine Blasen, sehr stark zum Schall beitragen können, insbesondere wenn sie instabil werden und zusammenbrechen (sogenannte "Kavitation"). Der Kollaps der Blase führt zu einer schnellen Kompression des Wassers in der Umgebung, was eine starke Druckwelle erzeugt.
Diese Druckwelle breitet sich dann im Wasser als Schallwelle aus. Die Stärke und Lautstärke des Geräusches hängt von der Größe der Luftblase sowie von der Geschwindigkeit und Energie ab, mit der sie kollabiert.
3. Resonanzphänomene und die Wasseroberfläche
Ein weiterer Punkt ist, dass die erzeugten Schallwellen nicht nur durch den Kollaps der Blase entstehen, sondern auch durch die Wechselwirkung des Wallerholzes mit der Wasseroberfläche. Das Wallerholz trifft auf das Wasser und erzeugt durch die plötzliche Verlagerung der Wasseroberfläche eine weitere Schallquelle, ähnlich einem Platschen oder Klopfen.
Diese Schallwellen haben unterschiedliche Frequenzen. Die Tonhöhe des Klopfens hängt stark von der Größe der erzeugten Blase und den dynamischen Wechselwirkungen zwischen Holz und Wasser ab. Wenn das Wallerholz mehrfach schnell hintereinander verwendet wird, können sich diese Schallwellen überlagern und zusätzliche Resonanzeffekte erzeugen.
4. Ausbreitung des Schalls im Wasser
Da Wasser ein dichteres Medium als Luft ist, breiten sich Schallwellen darin viel schneller aus (etwa viermal schneller als in Luft). Dies bedeutet, dass das entstehende Geräusch durch den Kollaps der Blase und die Interaktionen des Holzes mit dem Wasser relativ weit getragen werden kann. Die Fische, insbesondere der Wels, können diese Schallwellen mit ihren empfindlichen Seitenlinienorganen wahrnehmen, was die gewünschte Anlockwirkung hervorruft.
Zusammenfassung:
Der laute Ton entsteht, weil das Wallerholz eine Luftblase erzeugt, die im Wasser kollabiert. Der Kollaps dieser Blase führt zu einer starken Druckwelle, die als Schallwelle wahrgenommen wird. Zusätzlich erzeugt die Interaktion des Wallerholzes mit der Wasseroberfläche weitere Schallwellen, die sich im Wasser schnell ausbreiten und vom Wels wahrgenommen werden können.
Und um auf Nummer sicher zu gehen, noch eine aller letzte Frage:
Kannst du mir aufgrund deiner Erklärung zum Platzen der Blase bestätigen, dass der Ton aus Sicht der Physik bereits unter Wasser entsteht und nicht erst beim Austreten des Holzes aus dem Wasser?
ChatGPT:
"Ja, aus physikalischer Sicht kann ich bestätigen, dass der Ton bereits unter Wasser entsteht und nicht erst beim Austreten des Wallerholzes aus dem Wasser.
Der entscheidende physikalische Prozess für die Entstehung des Tons ist der Kollaps der Luftblase, der unter Wasser stattfindet. Hier ein paar Punkte, um dies zu verdeutlichen:
Blasenkollaps und Druckwelle: Der Klang entsteht, wenn die Luftblase, die hinter dem Wallerholz hergezogen wird, unter Wasser zusammenbricht. Dieser Vorgang erzeugt eine starke Druckwelle, die als Schallwelle im Wasser weitergeleitet wird. Da dieser Prozess vollständig im Wasser stattfindet, entsteht der Ton unter Wasser.
Schallausbreitung im Wasser: Wasser leitet Schallwellen effizienter und schneller als Luft. Da der Blasenkollaps unter Wasser stattfindet, wird die Schallwelle sofort im Wasser erzeugt und breitet sich dort aus. Der Wels kann den Ton durch seine Seitenlinienorgane spüren, noch bevor das Wallerholz aus dem Wasser kommt.
Akustische Wahrnehmung an der Wasseroberfläche: Obwohl der Ton im Wasser erzeugt wird, kann er auch über Wasser hörbar sein. Das liegt daran, dass Schallwellen von der Wasseroberfläche teilweise in die Luft übertragen werden. Dadurch hört der Mensch das "Klopfen" an der Wasseroberfläche, doch dieser Klang ist bereits durch Vorgänge unter Wasser entstanden.
Das Austreten des Wallerholzes aus dem Wasser trägt primär nicht zur Tonerzeugung bei. Physikalisch betrachtet, ist der kollabierende Prozess der Blase der entscheidende Moment, in dem die Schallwellen entstehen, und das passiert definitiv unter Wasser."
Deep Seek Formulierung ist noch präziser
Als Experte für Unterwasserakustik kann ich präzise bestätigen: Der Ton entsteht vollständig unter Wasser, noch bevor das Wallerholz die Wasseroberfläche wieder verlässt. Der kritische Moment ist der Kollaps der Kavitationsblase während des Herausziehens, wenn das Plättchen noch teilweise oder vollständig untergetaucht ist. Hier die detaillierte Erklärung:
1. Zeitlicher und räumlicher Ablauf des Tonereignisses
- Phase des Herausziehens:
Wenn das Plättchen aus dem Wasser hochbeschleunigt wird, erzeugt die Rückwärtsbewegung einen plötzlichen Druckanstieg in der Umgebung der Kavitationsblase.
- Unterwasser-Kollaps: Die Blase implodiert bereits 10–20 cm unter der Oberflächenbehandlung, abhängig von der Zuggeschwindigkeit und der Tiefe des Schlags.
- Austritt des Holzes: Das eigentliche Verlassen der Wasseroberfläche (Spritzer, Luftkontakt) erfolgt nach dem Ton und erzeugt nur sekundäre Geräusche (z. B. Plätschern), die für den Wels irrelevant sind.
2. Physikalischer Beweis: Warum unter Wasser?
- Schallausbreitung:
Wasser leitet Druckwellen 4,3× schneller als Luft (~1.500 m/s vs. ~343 m/s). Der Kavitationsknall muss im Wasser entstehen, um als Unterwasserschall effektiv zum Wels zu gelangen. An der Oberfläche entstehende Geräusche würden grösstenteils in die Luft abstrahlen und wären unter Wasser kaum wahrnehmbar.
- Energiefreisetzung:
Der Kollaps der Blase unter Wasser setzt eine hochintensive Druckwelle frei (~180 dB unter Wasser). Würde die Blase an der Oberfläche platzen, ginge Energie durch den Übergang Wasser-Luft verloren, und der Ton wäre deutlich leiser.
3. Akustische Messungen und Naturphänomene
- Hydrophon-Aufnahmen:
Unterwassermikrofone zeigen, dass der maximale Schalldruck 5–10 cm unter der Oberfläche gemessen wird – genau dort, wo die Kavitationsblase während des Rückzugs kollabiert.
- Biologisches Vorbild:
Ähnlich wie bei Pistolengarnelen, deren Scheren-Kavitation unter Wasser Beute betäubt, nutzt das Wallerholz diesen Unterwasser-Mechanismus gezielt für die Lockwirkung.
4. Visuelle Veranschaulichung
1. Hochgeschwindigkeitskamera:
Zeigt, dass die Blase noch unter Wasser implodiert, während das Plättchen sich nach oben bewegt.
- Frame 1: Blase expandiert beim Eintauchen.
- Frame 2: Blase beginnt beim Rückzug zu kollabieren (Plättchen noch untergetaucht).
- Frame 3: Druckwelle breitet sich aus, bevor das Holz die Oberfläche erreicht.
2. Oberflächenspannung:
Selbst wenn das Plättchen die Oberfläche streift, dominiert die Unterwasserkavitation den Ton. Oberflächeneffekte (z. B. Spritzer) sind akustisch vernachlässigbar.
5. Praktische Konsequenz für Angler
- Optimale Technik:
Der Lockton ist nur effektiv, wenn das Plättchen schnell und tief genug ins Wasser geschlagen wird, um die Kavitationsblase unter Wasser zum Kollabieren zu bringen.
- Fehlerquelle:
Ein zu flaches Schlagen (Plättchen bleibt nahe der Oberfläche) führt zu schwächeren Blasen und weniger Schalldruck.
Fazit:
Der Ton entsteht ausschliessslich unter Wasser, während das Plättchen aktiv aus der Tiefe hochbeschleunigt wird – nicht erst beim Austritt an die Oberfläche. Diese präzise räumlich-zeitliche Abstimmung macht das Wallerholz zu einem perfekten akustischen Lockmittel für den Wels, dessen Sinnesorgane auf Unterwasserschall spezialisiert sind.
Somit war für mich die Frage nach dem Ursprung des Geräusches umfassend geklärt. Den Welsen ist es ziemlich egal, wie das Geräusch entsteht. Auch wenn man die Quelle als Angler kennt, fängt man danach keinen einzigen Wels mehr. Allerdings ist nun hoffentlich allen Interessierten klar, wie das Geräusch genau zu Stande kommt.
Ich bitte um die Teilung des Artikels und Berichtigung der Internetseiten, die dieses Thema behandeln.
Ein kräftiges Petri allen Wallerfans!
Was imitiert das Wallerholz?
Wer unter den Wallerfreunden jetzt noch meine Version kennenlernen möchte, was denn das Klopfgeräusch imitiert, der kann über den nachfolgenden Link noch weiterlesen. Ich hatte vor ca. 20 Jahren im Zuge der Veranstaltung Rhein-Schauen, die Gelegenheit, einen mehrere Meter langen Wassertunnel zu betreuen, in dem sich auch ein Wels mit 1.40 m Länge aufhielt. Eines Abends machte ich eine Beobachtung, die mir in ewiger Erinnerung bleiben wird, weil sie so einzigartig war und zumindest für mich Licht hinter die Frage gebracht hatte, was denn das Geräusch des Wallerholzes eigentlich imitiert.