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Wieviel Zerstörung verträgt die Bohinjka?

Als es 2022 zu ersten strassenbaubedingten Behinderungen beim Kreisverkehr kurz vor Bled kam, machte mich mir noch keine grossen Gedanken. Ich informierte micht jedoch über das bauliche Vorhaben und es hieß, die EU würde mehr als 20 Millionen Euro für den Bau eines Radweges locker machen, und das würde man sich nicht entgehen lassen. Als ich im April dieses Jahres versuchte, in der Sava Radovljica Huchen beim Laichen zu filmen, musste ich dieses Vorhaben schnell vergessen. Zwar fand ich schliesslich an der oberen Sava (Institut Part) noch ein einzelnes Pärchen in der Nähe einer Laichgrube (siehe Bild), doch das Laichen dieser majestätischen Salmoniden war in diesem Bereich bereits vorbei. Das geplante Filmen an der Sava Radovljica, wo das Laichen nun eigentlich erst beginnen sollte, wurde durch trübes Wasser mehrfach verunmöglicht. Als ich der Sava Bohinjka entlang stromauf fuhr, um den Ursprung der Trübung zu eruieren, bemerkte ich erst, was für Auswirkungen der neue Radweg auf die Natur hat und welche Mengen Material hier bewegt wurden. Es war nicht der gewaltige Erdrutsch vom Frühjahr, der diese Trübungen verursachte, sondern die Bauarbeiten für den überdimensionierten Radweg.

 

Massive Beeinträchtigung durch Radweg

Da wurden riesige Mengen von schattenspendenden Bäumen abgeholzt und grosse Bereiche des linksseitigen Ufers wurden in richtige Autobahnen verwandelt, die meist direkt an der Wasserkante verlaufen. Die Strasse zu verbreitern, um den Fahrradfahrern die nötige Sicherheit vor dem Verkehr zu geben ist eine Sache, den Radweg an das andere Ufer zu verlegen, damit nun beidseitige Beeinträchtigungen (auch für das Wild) entstehen, ist eine andere. Ehemalige Topstellen bei den Felsen im Fluss unterhalb des Schlauchwehres bei der Brücke wurden geradezu platt gemacht. An einer der Lieblingsstellen eines Fischerkollegen wurde kein einziges Sträuchlein mehr stehen gelassen. Jetzt verläuft dort eine "Kiesautobahn" direkt am Ufer. Als er meine Fotos sah, bekam er den Mund kaum mehr zu. Was für eine Katastrophe! Die Sava Bohinjka hat einen grossen Teil des Jahres einen relativ niederen Wasserstand. Trotzdem beherbergt sie einen sehr guten Huchenbestand, dem viel Sorge getragen wird. Da nun durch den direkt am Ufer verlaufenden Radweg die schützende Ufervegetation und der damit verbundene Nahrungsinput fehlt und eine dauerhafte Störung durch Radtouristen später die Folge sein wird, ist anzunehmen, dass sich die Huchen aus diesen Bereichen bald verziehen werden. Für Fischer und besonders für Fliegenfischer ist dies natürlich ebenfalls eine Katastrophe, da es dann mit der Ruhe am Wasser vorbei sein wird und man zudem vor jedem Wurf kontrollieren muss, ob man nicht eventuell beim Rückwurf einen Radfahrer hakt.

Noch mehr Touristen durch bessere Vernetzung

Die Verantwortlichen wollen mit diesem Projekt vermehrt Tagestouristen von Bled an den Bohinjsko Jezero ziehen, um so Platz für noch mehr Touristen zu schaffen. Dass dies die Fischerei an der Bohinjka nicht unbedingt verbessern wird, ist voraussehbar. Unmengen an Touristen am Wasser, Ruhe ade und wahrscheinlich auch das eine oder andere Stück Abfall, das der Einfachheit halber direkt im Fluss entsorgt wird, um es nicht weiter mitschleppen zu müssen. Wieviel dieser grossflächigen Zerstörung (siehe im Video rechts) kann die Natur auffangen? Massentourismus um jeden Preis kommt einem da augenblicklich in den Sinn. Ich frage mich, wann die Tourismusverantwortlichen eigentlich merken, dass die Touristenmenge am Bleder See und Umgebung bereits jetzt schon viel zu hoch ist und dies nicht nur für die Umwelt, sondern auch für die Touristen selbst problematisch wird. Staus gibt es bei der Einfahrt in Richtung Bled und bei der Ausfahrt, praktisch über das ganze Jahr hinweg, dazu regelrechte Völkerwanderungen um den See. Der ehemals für das Fliegenfischen auf Sicht bekannte Bleder See ist dafür praktisch nicht mehr zu gebrauchen. Zum Fischen auf Sicht braucht es Licht. Am frühen Morgen fehlt dieses noch und ab 7.00h, wenn die Sicht besser wird, beginnt es bald von Joggern und Bikern zu wimmeln und es kommt zu permanenten Störungen am Ufer. Stand up Paddler fahren dann bereits ab Anfang Juni während des Tages zu Dutzenden statt in der Seemitte dem Ufer entlang und jagen die Fische in die schützende Tiefe.

Abwasser illegal in die Bohinjka entsorgt

Mit der Idylle am See ist es ob der vielen Touristen längst vorbei. Was mit der riesigen Abwassermenge, die die angelockten Besucher produzieren geschehen soll, ist die andere Frage. Im vorletzten Sommer kam es während einer längeren und heissen Schönwetterphase zu einer massiven Überlastung der Kläranlage, und das spärlich fliessende Wasser der Sava Bohinjka konnte das Abwasser nicht ausreichend verdünnen. Schliesslich versuchten die Klärwerksverantwortlichen das Problem auf einen Schlag loszuwerden und entsorgten über Nacht kurzerhand das stark belastete Wasser bei Mlino illegal über den Auslauf in die Sava, Das Klärwasser floss natürlich im Niedrigwasser führenden Fluss nur langsam ab, was zur Folge hatte, dass am darauffolgenden Tag etwas flussab zig Kinder, die in einem Jugendcamp weilten und in der Sava badeten, wegen der Schmutzwasserbelastung im Spital ärztlich behandelt werden mussten.

Jetzt wird ein teurer Radweg unter massiver Beeinträchtigung der Natur gebaut, um noch mehr Touristen anzuziehen, anstatt die Touristenmengen endlich zu reduzieren oder zumindest das Geld weitsichtig und im Sinne des Naturschutzes und der Qualität des Wassers in eine grosszügig dimensionierte Kläranlage zu investieren und das Abwasser der stetig genügend Wasser führenden Sava Dolinka zuzuführen. Es werden noch viele heisse Sommer mit geringen Abflussmengen folgen und die Fische der Sava sind dadurch auch ohne belastendes Abwasser bereits genug gefordert.

Man kann alles auch übertreiben mit dem Tourismus und die Verantwortlichen von Bled sind wahre Meister darin ...

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