Turniertechniken versus Fliegenfischen
Meine Position bezüglich des Fliegenfischens ist bekannt. Für mich ist Fliegenfischen ganz klar verbunden mit der Benutzung der Fliegenschnur als Wurfgewicht, um den Köder in Form einer Trockenfliege, einer Nymphe oder eines Streamers zum Ziel zu befördern. Ich habe dies immer wieder klar deponiert. Aus diesem Grund erachte ich Techniken wie das Czech, French oder Spanish Nymphing und ähnliche Techniken aus dem Wettkampfangeln, die in den letzten Jahren aufgetaucht sind, zwar durchaus als Techniken des Nymphenfischens (wie übrigens das Fischen mit der in der Schweiz sehr verbreiteten Laufrolle, das Fischen mit der Wasserkugel, dem Bleidraht oder dem vielerorts inzwischen verbotenen Tirolerhölzl auch), aber nicht als dem Fliegenfischen zugehörig. Alle diese Techniken können mit anderem Gerät auch ausgeübt werden, also auch ohne Fliegenrute und Fliegenschnur. Dies funktioniert nur deshalb, weil dazu keine Fliegenschnur von Nöten ist, die, aufgrund ihres Eigengewichts eine ganz entscheidende Rolle bei der Präsentation spielt. Bei all diesen oben genannten Techniken des Nymphenfischens spielen -im Gegensatz zum Fliegenfischen- Wurfgewichte in Form von Blei, Wasser gefüllten Schwimmkörpern oder schweren Endnymphen und inzwischen leider auch schweren Streamern die entscheidende Rolle.
Dies führt so weit, dass diese Wurfgewichte oft weit von dem entfernt sind, was normalerweise eine Fliegenschnur bzw. das Vorfach zu befördern in der Lage ist. Darum fischt man sie bei Wettkämpfen auch im engeren Radius vom Standplatz, also oft sogar unter der Rutenspitze. Wenn man das Werfen von beschwerten Nymphen ohne den Einsatz der Fliegenschnur oder sogar nur mit mit Monofil (sogenannte Mono-Rig) als Fliegenfischen akzeptiert (wie das ja bei Turniertechniken der Fall ist), muss man dies ergo auch bei Streamern tun. Im Falle des Einsatzes von schweren Streamern reissen diese gar die Fliegenschnur, das Backing oder einfach nur Monofil hinterher. So sind wir dann direkt beim Spinnfischen mit der Fliegenrute angelangt.
Wenn diese Techniken in Gewässern ausgeübt werden, die auch Spinnfischern oder Schluckköderanglern zugänglich sind, spricht nichts gegen ihren Einsatz. Einzig in Gewässern, die dem Fliegenfischen vorbehalten sind, haben sie aus oben genanntem Grund meines Erachtens nichts verloren. Es sind zwar fischereilich faire Techniken, weil der Fisch sauber gehakt und leicht releast werden kann, aber das gezielte Trainieren des Fangens kleinerer oder gar noch juveniler Fische, weil sie schneller zu landen sind und so bei den Meisterschaften der FIPS-Mouche zu mehr Punkten und besseren Platzierungen führen als das Fischen auf grössere Fische, ist eine bedenkliche Entwicklung. Dass die Bewirtschafter erstklassiger Gewässer dieses gezielte Fischen in den Kinderstuben gutheissen können, ist für mich nur schwer vorstellbar.
Es ist dem heutigen Mangel an Persönlichkeiten im Fliegenfischen geschuldet, dass diese Techniken überhaupt Beachtung fanden und sich durch Publikationen von Zeitschriften ausbreiten konnten, da die Redakteure dahinter, wohl auch eine ziemlich verwässerte Einstellung zum Fliegenfischen haben. Dazu kommt, dass sich damit Geld verdienen lässt und auch Händler, nicht klar Stellung beziehen, um sich nicht Einkünfte entgehen zu lassen. Zu Zeiten von Gebetsroither, Ritz oder auch Hebeisen und Moser, Prager oder Brunner wäre es unmöglich gewesen, dass diese Techniken in Gewässern des Alpenraums überhaupt Fuss fassen hätten können. Selbst Francesco Palu wurde seinerzeit von der Gmundner Traun "verbannt", weil er keine Fliegenschnur einsetzte, sondern seine Trockenfliegen einfach an seinen langen Ruten aufs Wasser tippte. „So einen Unfug brauchen wir hier nicht!“, meinte einst Hansi Aigner. Dass die noch verbliebenen aber mittlerweile in die Jahre gekommenen Granden sich im Herbst des Lebens nicht mehr in Auseinandersetzungen mit der jüngeren Generation verstricken möchten und lieber mit der Faust in der Hosentasche schweigen, ist verständlich.
Als einer der führenden Fliegenfischer- und Wurfexperten meiner Generation, sehe es als meine Pflicht an, mich für den Erhalt des Fliegenfischens und die Errungenschaften unserer Legenden einzusetzen und der Verrohung dieser einzigartigen Angeltechnik entgegenzutreten. Manchmal wünschte ich, andere Kollegen würden ebenfalls klar Stellung beziehen und mir nicht nur hinter vorgehaltener Hand für mein Engagement danken. Leider fehlt vielen der Mut, sich öffentlich gegen diese negativen Entwicklungen auszusprechen, da sie andere Fliegenfischer oder Kunden nicht verprellen wollen. Doch eine negative Entwicklung bleibt eine negative Entwicklung, und man kann es in dieser Frage nicht allen recht machen. Unsinn ist Unsinn und lässt sich nicht entschuldigen! Ich stehe zu meiner Position, die ich als internationaler Fliegenfischerlehrer und Wurftrainer öffentlich kommuniziere, nicht nur im Pub oder unter vier Augen.
Haltet das Fliegenfischen sauber und bezieht vermehrt öffentlich Stellung gegen Turniertechniken an Gewässern, die nur Fliegenfischern zugänglich sind. Bewahrt diese einzigartige Technik vor dieser Verrohung!