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Fliegenfischen auf Karpfen

Karpfenfischen mit der Fliege

Die unterschätzte Königsdisziplin

Entdecke die Königsdisziplin für moderne Fliegenfischer! In diesem Artikel Artikel erfährst du, wie du mit Fliege und feinem Gerät gezielt Karpfen überlistest – stark, vorsichtig und direkt vor deiner Haustür. Jetzt lesen und dein Revier neu entdecken!

Fliegenfischen auf Karpfen – mehr als nur ein Trend

Für viele Fliegenfischer gelten Forellen und Äschen als die klassischen Zielfische. Doch in den letzten Jahren hat sich durch die klimatische Veränderung und eine damit einhergehende, massive Verschlechterung vieler ehemals guter Salmonidenhabitate eine neue Herausforderung etabliert: das Fliegenfischen auf Karpfen. Was zunächst ungewöhnlich klingt, begeistert zunehmend mehr Fliegenfischer auf der Suche nach starkem, intelligenten und kampfstarken Wildfischen – direkt vor der Haustür.

Warum Karpfen?

Karpfen sind nicht nur groß und kraftvoll, sie sind auch vorsichtig, wachsam und extrem anpassungsfähig. Diese Eigenschaften machen sie zu einem anspruchsvollen Gegner, besonders an der Fliege. Wer schon einmal einen 15-Kilo-Karpfen an der Fliegenrute gedrillt hat, weiß: das ist echtes Big-Game-Fischen im Süßwasser.

Zudem sind Karpfen überall zu finden – in städtischen Kanälen, Baggerseen, Altarmen und sogar in Flüssen. Wer mit offenen Augen unterwegs ist, wird erstaunt sein, wie viele Karpfen sich in scheinbar unscheinbaren Gewässern tummeln.

Anfänger starten oft an Karpfenteichen oder später in speziellen, meist badewannenprofilähnlichen Catch & Release Seen, wo teils kapitale Karpfen besetzt und angefüttert werden und der Fang "relativ leicht" ist. Manche verwenden sogar Schwimmbrot zum Anlocken der Fische. Andere träufeln noch Duftstoffe auf die Fliege, weil sie das eventuell vom stationären Karpfenfischen mit Boilies noch kennen. Auch wenn die Anforderungen dort weniger hoch sind, lernt man doch, den Karpfen zu drillen und v.a. ihn im Drill zu steuern, was sehr wichtig ist, wenn später einmal den intelligenten oft vollkommen wilden Grosskarpfen in grossen Seen und Flüssen nachgestellt werden soll.

Wer das Anspruchsvolle sucht und schon viel Erfahrung im Fliegenfischen und im Drill mit grösseren Fischen hat, der stellt den Professoren unter unseren Fischen ohne anzufüttern und mit unbehandelten Fliegen in natürlichen Habitaten, wie Altarmen und Seen aber auch in grossen Niederungsflüssen nach. Diese Fische sind nicht nur wesentlich scheuer, sondern meist auch deutlich kampfstärker. Diese Fischerei ist vergleichbar mit dem Sichtfischen auf Salzwasserflats und übt auf mich eine ganz besondere Faszination aus.

Die richtige Ausrüstung

Rute & Rolle

Für das Karpfenfischen mit der Fliege empfehle ich eine kräftige 8er (kleinere Karpfen) bis 10er (Grosskarpfen) Fliegenrute mit schneller Aktion, falls sie nur überkopf werfen müssen, oder eine mit mittlerer Aktion, wenn die Ufer verwachsen sind und in erster Linie Rollwürfe zur Anwendung kommen werden. Die Rolle sollte eine zuverlässige Bremse haben – Karpfen liefern lange, kraftvolle Fluchten und fordern das Material. 100 m Backing, sollten auf der Rolle unbedingt Platz haben.

Schnur & Vorfach

Eine WF-Schnur (Weight Forward) mit langer Keule ist dort wichtig, wo lange und genaue Würfe von Nöten sind bzw. eine kurze, massive Keule brauchen sie dort, wo ohne Rückraum mit einem geschossenen Rollwurf (kein Switch weil null Platz nach hinten) auf kurze bis mittlere Distanz präsentiert werden muss. Das Vorfach sollte robust sein – 0,25 bis 0,35 mm Vorfachspitze sind Pflicht, um den Drill sicher zu bestehen. Je größer die Karpfen und je mehr Bäume im Wasser sind, je stärker sollte das Vorfach sein. Grosse Karpfen sind oft weniger scheu, als kleinere Artgenossen, wenn die Fliege mal im Wasser ist und der Karpfen vom Angler nichts mitbekommen hat.

Fliegenmuster

Karpfen sind keine primären Insektenfresser wie Forellen. Erfolgreiche Muster imitieren:

  • Krebse

  • Würmer

  • Schnecken

  • Mais oder Teig

  • Insektenlarven,und kleine Fischchen

Meine Favoriten:

Glo-Bugs, San Juan Worms, Carp Buggers, Backstabber, Karpfen-Crabs auf Haken der Größe 6–10 sowie diverse Imitationen von Libellenlarven, Ephemera Vulgata Larven und Mückenlarven.

 

Taktik & Technik

Sight Fishing – Der Schlüssel zum Erfolg

Karpfen mit der Fliege fängt man am besten auf Sicht – also gezielt auf sichtbare Fische. Das erfordert Geduld, Beobachtung und eine gute Polarisationsbrille. Wer Karpfen beim Gründeln oder unter der Oberfläche entdeckt, kann sie gezielt anwerfen. Dazu muss man erst in Wurfweite kommen und sich möglichst unsichtbar machen. Dann kommt ein entscheidender Moment. Der erste Wurf zählt! Karpfen sind misstrauisch – ein schlechter Wurf verscheucht sie meist für lange Zeit. Deshalb empfiehlt es sich manchmal einen Pendelwurf (Alter Wurf) anzubieten, weil beim traditionellen Wurf eventuell zu viel Lärm entsteht, wenn die Fliege landet.

Sind die Karpfen im oberen Meter unter der Oberfläche aktiv, funktionieren sämtliche Insektenlarven gut. Es ist entscheidend, dass die Fliege möglichst langsam sinkt und dabei gut beobachtet werden kann. Wenn der Karpfen die Fliege einsaugt, muss sofort der Anhieb gesetzt werden, weil er sie sonst meist gleich wieder ausgespuckt. Nehmen die Karpfen eher tief und folgen der Fliege nach unten, ist oft das gut sichtbare Glo Bug die einzige Wahl, dieses in 2-3 m Wassertiefe noch ausmachen zu können. Sind Karpfen am Gründeln sind San Juan Worms und Woolly Buggers und kleine Fliegen im Gotcha Stil mit Dumbbells eine gute Wahl.

Anbieten & Strippen

Die Fliege sollte sanft seitlich jenseits der Bahn des ziehenden Karpfens landen und dann dann auf die Bahn gezogen werden. Wie weit davor, hängt jeweils von der Situation und dem Gewicht der Fliege ab. Dann lässt man sie sinken. Es ist die gleiche Technik, die man auch bei unter der Wasseroberfläche streunenden (See)forellen anwendet. Manchmal werden Fliegen auch mit minimaler Bewegung (z. B. kleinen Zupfern) angeboten. Bei fressenden Karpfen genügt oft ein Impuls zur richtigen Zeit. Ist der Fisch in einer Schlammwolke, kann der Biss heftiger ausfallen, sodass man ihn deutlich spürt. Der Anhieb erfolgt dann erst, wenn der Karpfen die Fliege wirklich genommen hat.

Wichtige Tipps

  • Leise bewegen: Flachwasser-Karpfen sind extrem schreckhaft, am Ufer vorsichtig anschleichen, besonders wenn Karpfen etwas tiefer stehen und deshalb besser sehen

  • Auf das Maul achten: Wer sieht, wann der Fisch saugt, weiß, wann der Anhieb kommen muss.

  • Variabel bleiben: Manche Tage laufen nur auf Nymphe, andere nur auf knalligen Bugger oder Glo Bugs.

  • Frühmorgens oder abends losziehen: Dann sind die Fische meist aktiv. Unter dem Strich ist jedoch die Sichtigkeit der entscheidende Faktor. Darum kann besonders im Frühjahr die Zeit um den späten Vormittag oder Mittag besonders gut sein.

Fazit: Fliegenfischen auf Karpfen ist pures Abenteuer!

Wer glaubt, Fliegenfischen sei nur etwas für Forellenbäche, sollte sich auf das Abenteuer Karpfen mit der Fliege einlassen. Das ist Jagd pur mit der Fliege! Diese Fischerei fordert Technik, Beobachtungsgabe und Geduld – und belohnt mit packenden Drills und unvergesslichen Momenten. Für mich ist das Karpfenfischen mit der Fliege eine der spannendsten Disziplinen überhaupt – direkt vor der Haustür und mit oft überraschend großem Potenzial.

Copyright © Günter Feuerstein