Huchenfangzahlen stark eingebrochen
Seit 2-3 Jahren zeigen sich rückläufige Fangzahlen bei Huchenfliegenfischern an bekannten Huchenflüssen, besonders aber in Slowenien. Märchenhafte Fänge wie sie noch vor einigen Jahren möglich waren, gehören inzwischen der Vergangenheit an.
Es ist an öffentlichen Gewässern in den letzten paar Jahren deutlich schwieriger geworden, einen Huchen zu fangen. Besonders extrem zeigt sich dies in Slowenien. Immer wieder werde ich von Kollegen und Anglern am Wasser gefragt, was meiner Meinung nach der Grund dafür sein könnte, dass die Fangzahlen dort so massiv einbrachen. Meiner Ansicht nach sind mehrere Faktoren dafür verantwortlich. Während Profis in der Lage sind, sich einigermassen anzupassen und immer mal wieder Erfolg haben, tun sich weniger routinierte Huchenfischer oft schwer und bleiben meist Schneider. Ein Teil dieses Problems ist hausgemacht und liesse sich beheben, anderes lässt sich leider nicht ändern.
Hoher Befischungsdruck
Vor 30 Jahren stellten nur wenige Fliegenfischer dem Huchen nach. Das Gerät dafür war nicht vorhanden, um wirklich effektives Fliegenfischen auf Huchen zu betreiben. Die Nische war für Hersteller noch zu klein, um dafür eigene Ruten und Schnüre zu produzieren. Vor etwa 15-20 Jahren nahm dann das Fischen mit Streamern Fahrt auf. Praktisch alle Fische, die damals gefangen wurden, wurden jedoch mit sehr schweren Streamern jenseits von 30 g gefangen. Diese wurden meist an Running Lines geworfen, und ein Autor getraute sich gar in diesem Zusammenhang vom Fliegenfischen auf Huchen zu sprechen, obwohl diese Fischerei eindeutig dem Spinnfischen zuzuordnen war, auch wenn man dabei eine Fliegenrute in der Hand hielt. Trotzdem wurden diese Fänge in bekannten Magazinen als Fliegenfischen auf Huchen vermarktet. Dieser Unsinn spornte mich an, Ruten und Schnüre zu designen und somit zu helfen, richtiges Fliegenfischen auf Huchen möglich zu machen. Mit meinen Huchenfliegenruten von CTS, -schnüren von RIO und vielen Tipps auf meiner Webseite wurden zwischenzeitlich tolle Fänge erzielt.
Das Posten von Fängen in sozialen Netzwerken und nicht zu vergessen der Handel trugen schließlich wesentlich zu einem regelrechten Run auf die Huchengewässer bei. Die Konsequenzen waren vorhersehbar. Manche Gewässer wurden regelrecht überrannt. In Slowenien müssen Huchenfischer zu zweit unterwegs sein, einerseits aus Sicherheitsgründen, aber auch um zu verhindern, dass Huchen illegal entnommen werden. Wenn ich also selbst als Vereinsmitglied fischen möchte, muss ich mir jemanden suchen oder gar überreden, der eigentlich an diesem Tag gar nicht fischen wollte. Diese Regel ist zwar einerseits sinnvoll, führt aber auch dazu, dass bis zu doppelt so viele Fischer am Wasser sind als ohne eine solche Regel. Je mehr Fischer unterwegs sind, desto mehr werden die Huchen gestört, was sich speziell bei Niedrigwasser äusserst negativ auswirkt. Besonders das Spinnfischen mit der hohen Wurffrequenz und den lauten Eintauchgeräuschen ist bei Niedrigwasser m. E. dafür verantwortlich, dass fast nichts mehr gefangen wird. An der Sava Bohinjka wurden die Tageslizenzen dieses Jahr reduziert, sind aber bei Niederwasser immer noch deutlich zu hoch. Sie würden dann bestenfalls für geteilte Ruten (zwei Angler sind gemeinsam unterwegs, aber es fischt immer nur einer) passen. Weil jeder einen unberührten Spot befischen möchte, werden die Huchen dort oft schon sehr früh am Morgen gestört, noch bevor die eigentliche Aktivitätsphase überhaupt starten würde. Sie reagieren dann nicht mehr oder flüchten in die Unterstände, die sie dann erst wieder in der Dunkelheit verlassen. Passiert dies oft, werden Huchen bei Niederwasser unfangbar, da sie dann -besonders um den Vollmond- nur noch nachts jagen.
In manchen Vereinen gibt es Mitglieder, die während der Huchensaison fast täglich (!) am Wasser sind und 80 bis zu 120 Fischtage auf Huchen aufweisen. Die Huchen sehen die Köder während dieser Zeit also fast täglich. Das ist eindeutig zu viel und eine Reduzierung der Begehungstage wäre an diesen Gewässern angebracht.
Sinkende Wasserstände
Während man in früheren Jahren zum Beispiel an der Mur froh war, im Winter mal Wasserstände unter 40m3 anzutreffen so ist dies heute problemlos möglich. Im Moment beträgt der Abfluss bei Zeltweg gerade mal 15 m3! So etwas hätte ich mir noch vor 5 Jahren kaum vorstellen können. In den letzten drei Wintern waren die Abflüsse deutlich geringer als zuvor. Man kann dann zwar Stellen befischen, die zuvor nicht erreichbar waren, doch extrem niedere Wasserstände können die Fliegenfischerei zum Erliegen bringen. Während Profis, wenn sie allein am Wasser sind und über gute werferische Fähigkeiten verfügen, auch in solch schwierigen Situationen noch vereinzelt adulte Huchen haken können, ist dies augenblicklich vorbei, wenn Angeltouristen mit oder ohne Guide auftauchen. Diese verfügen weder über das Können noch das Gespür für die Situation und jagen die Fische ohne sich dessen bewusst zu sein in die Unterstände. Diese verlassen die Huchen dann meist erst wieder in der Dunkelheit. In der Nacht ist die Jagd für sie am sichersten und die Fischer haben dadurch das Nachsehen.
Die geringen Wasserstände der letzten paar Winter sind mit ein Hauptgrund für die zurückgehenden Fangzahlen in Gewässern, in denen Tageslizenzen ausgegeben werden, während dies in wenig befischten und somit kaum gestörten Privatrevieren nicht so extrem ins Gewicht fällt. Gegen die Natur sind wir machtlos, allerdings könnte die Situation etwas entschärft werden.
Lösung:
- Die Anpassung der Ausgabe von Tageslizenzen an die Wasserstände und das Verbot von Guidings während Niederwasserperioden.
- Verbot des Spinnfischens unter dem Mittelwasserstand an Flüssen, bzw. Flussabschnitten, an denen das Fischen mit der Fliege möglich ist.
Dadurch würde die Störung der Fische stark reduziert. Eine langfristige Urlaubsplanung wird jedoch schwieriger, weil die Lizenzen nicht im Vorhinein garantiert werden könnten. Diese Regelung käme Jahreskartenfischern zu Gute, die über das Ausbleiben von Angeltouristen während Niederwasserperioden sicher nicht unglücklich wären.
Huchen Guiding
Schon vor Jahren habe ich auf die Konsequenzen des Guidings für das Huchenfischen hingewiesen. Für mich ist der Huchen der König unserer Alpenflüsse, dessen Fang man sich hart erarbeiten, also verdienen muss und den man nicht auf dem Silbertablett präsentiert bekommen sollte. Ganz abgesehen davon, dass ein geguideter Huchen für eingefleischte Huchenfischer überhaupt nicht als selbst gefangener Huchen zählt (siehe Kommentar zum Guiding), schätzt der Fänger seinen Fang meist viel zu wenig, wie alles, das leicht zu bekommen ist. Wenn ein Fischer nach zig oder hunderten Stunden angeln und vielen Experimenten seinen ersten Huchen fängt, ist dies zweifellos etwas anderes, als wenn er mit Guide schon am ersten Tag einen Fisch landet. Für mich war das Guiding auf "den Fisch der tausend Würfe" immer schon ein No-Go. Begleitetes Fischen aus Sicherheitsgründen kann ich verstehen, Guidings mit allem was dazu gehört, sollte m. E. jedoch unterlassen werden, weil es nicht soviele Fische dieser Art gibt und man diese Fische beim ausdauernden Beangeln erst richtig zu schätzen lernt. Ein Guiding auf Forellen und Äschen, wie auch andere Fische, die in viel grösserer Zahl vorhanden sind, unterstütze ich gerne, solange sich der Guide an die ungeschriebene Streamside-Etikette hält, wozu auch die Rotation gehört, falls auch andere einen guten Platz befischen möchten.
Das Guiding auf Huchen hat viele negative Auswüchse mit sich gebracht, v.a. aber das Verwenden von Gerätekombinationen, die in den Bereich des Spinnfischen gehören. Wenn Guides dann noch ihre besten Streamer, Taktiken und Anfischtechniken teilen und mit Fotos im Internet mit Fängen werben, dann fischen über kurz oder lang grosse Mengen an Fliegenfischern auf die gleiche Art und Weise und ... auch noch mit gleichen Fliegen. Was dies bei einem ohnehin schon überfischten Huchengewässer bedeutet, kann sich jeder selbst ausmalen. So schnell vergisst ein grosser Huchen nicht, was hier abgeht. Als ich vor mehr als dreissig Jahren meine ersten Huchen (allerdings an der Spinnrute) fing, schnitten eingefleischte Huchenspezialisten immer ihre Köder ab und steckten sie in die Tasche, sobald sich ihnen jemand näherte. Ich hielt dies damals für etwas übertrieben, hielt mich aber immer dann daran, wenn mir jemand seinen Geheimköder anvertraute. "Wenn der Huchen einen Köder zu oft sieht, fängt er nicht mehr!", wurde mir gesagt. Das ist in der Tat so, doch dieses Wissen ging offenbar verloren! Wie in meinem Buch über das Nymphenfischen zu lesen ist, kann man auch Supernymphen regelrecht zu Tode fischen, wenn diese die Runde machen und permanent zum Einsatz kommen. Bei Huchen geht dies sehr schnell.
Ein anderer Grund für die Verweigerung oder gar Flucht vor Fliegen oder Streamern sind Fliegenfischer, die bei niederen Wasserständen ohne eine gewisse Wurfpraxis ans Gewässer gehen. Ich sage es ganz klar: Jemand der nicht versiert ist, also das Werfen von grossen Streamern nicht sehr gut beherrscht und keine langjährige, praktische Erfahrung mit dem Fangen und Drillen grosser Fische hat, hat beim Huchenfliegenfischen nichts verloren! Er macht die Fliegenfischerei auf Huchen kaputt, und sollte er dennoch mit Guide einen Fisch haken, zieht sich der Drill auf Kosten des Huchens zudem noch unnötig in die Länge. Der Huchen ist kein Fisch für Anfänger oder Ungeübte und darf keinesfalls wegen des Abhakens auf der To-Do-Liste in den Fokus genommen werden!
Ein versierter Huchenfischer bewegt sich bei Niederwasser sehr ruhig, macht bei einem heiklen, überfischten Gewässer nach 1-2 Würfen oft grössere taktische Pausen oder wechselt den Platz, watet nur zu Beissplätzen und zurück, falls es unbedingt notwendig sein sollte, aber keinesfalls durch einen ganzen Pool. Vor allem hält er Abstand zum Fisch. Ganz anders verhält sich das bei unerfahrenen Anfängern ohne ausreichende Wurfpraxis. Wer hinter einem plätschernden und schnell herumwatenden Fischer herfischen muss, darf keinen Biss erwarten. Diesbezüglich sollten die Guides in die Pflicht genommen werden. Eine im Vorfeld zu führende Abfrage nach Erfahrung und ausreichendem werferischen Können als Zulassung zum Guiding (besonders bei niederen Wasserständen !) wird von den Guides meist übersprungen, solange der Preis passt. Es gibt ja nichts einfacheres als ein Huchenguiding, denn wenn nichts gefangen wird, ist dies ohnehin die Regel und nicht die Ausnahme, und Kunden kommen gewöhnlich ohnehin kein zweites Mal, wenn sie die Informationen bekommen haben, die sie wollten. Wenn ein unerfahrener Kunde ein Huchenguiding gebucht hat, will er fischen und werfen. Auf das hat er schliesslich lange gewartet. Fischen wollen aber andere auch. Falls nun nur wenige Spots vorhanden sind und einem Kunden nicht zu verklickern ist, dass er den Grossteil des Tages mit Warten verbringen sollte, er zudem nicht bis zum Fisch werfen kann, sondern ihm fast auf den Kopf stehen muss, um ihn zu erreichen, wenn der Guide wider besseren Wissens dazu noch an Hot Spots an der Stelle verweilt und Streamer um Streamer gewechselt werden, während andere eventuell darauf warten, auch einmal Fischen zu dürfen, prallen Geschäft und gesunder Menschenverstand aufeinander, und die Fischerei bleibt für alle auf der Strecke.
Die Huchen lernen von genau diesen Fischern und unerfahrenen Fliegenfischertouristen leider jedoch noch etwas für die Fliegenfischerei auf lange Sicht viel Verherenderes: Sie verknüpfen dadurch die Fliegenschnur automatisch mit Gefahr. Ist dies dann geschehen, kann auch ein versierter Fliegenfischer einpacken, denn unsichtbare Fliegenschnüre gibt es nicht. Dies ist ein Hauptgrund dafür, dass die Fänge von Fliegenfischern besonders bei Niederwasser im Vergleich zu den Vorjahren massiv eingebrochen sind.
Aber nicht nur die Fliegenfischer-Guides sind problematisch. Noch schlimmer sind bei Niederwasser die geguideten Spinnfischer, vor allem wenn sie in grosser Zahl auftauchen. Auf diesem Gebiet gibt es Guidinganbieter die Unmengen von Fischern ans Wasser ziehen und lautstark das Huchenfischen auf Social Media bewerben. So kommen an einzelnen Gewässern hunderte Begehungen durch sie zu Stande und die Huchen werden permanent mit Spinnködern bombadiert. Wenn man jedoch genauer hinschaut, wurden z. B. im vergangenen Jahr von den Kunden von einem dieser Anbieter überhaupt keine grossen Exemplare gefangen und ein Angler braucht bei ihnen im Durchschnitt mehr als drei Wochen (!) , um überhaupt einen einzigen Huchen zu fangen. Das ist reine Bauernfängerei. Das Huchenfischen an diesem Topgewässer haben sie dadurch jedoch kaputt gemacht.
Lösungsansatz: Ich bin prinzipiell gegen jedes Huchenguiding. Begleitung ja, Guidings nein und schon gar nicht bei sehr niederen Wasserständen oder über ein 1:1 Guiding hinaus.
Fangneid und Business versus Ethik
Noch vor 30-35 Jahren war es für alle klar, dass Trocken- und Nassfliegen sowie Streamer, also alles was Federn oder Haare hatte an der Fliegenrute gefischt würde, während Spinner, Blinker, Wobbler, Twister und Gummifische sowie auch Huchenzöpfe mit der Spinnrute angeboten werden. So stand es auch in allen gängigen Werken der Fischereiliteratur. Diese Trennung der Köder diente unter anderem dazu, dass diese Techniken auf lange Sicht erhalten bleiben würden. Mit dem Aufkommen des Fliegenfischens auf Hecht und den damit verbundenen Fängen, die in den Fischereimagazinen Verbreitung erfuhren, kombinierten Spinnanglern mehr und mehr Haare und Federn mit ihren Ködern und führten dies bis zum Einsatz von Streamern mit Sbirolinos, Hartplastikgewichten oder dem ganz normalen Bleikopf weiter. Dass dies durch die grösseren Wurfweiten und auch erweiterte Standortahl die Fangchancen der Fliegenfischer einschränken würde war absehbar. Nachdem Manfred Kleinhagauer in den späten 90er Jahren anlässlich eines Aufeinandertreffens beim jährlichen Huchentrip an die Drau bei Oberdrauburg meine Hasenfell-Streamer begutachtete, startete er gleich nach der Rückkehr die Produktion des Huchen-Wedlers und dessen Vermarktung. Vor etwas mehr als 15 Jahren begann auch Kljech mit der Herstellung und dem Verkauf von mehrteiligen Streamern für den Einsatz an der Spinnrute. Mittlerweile werden an vielen Gewässern in Slowenien und auch in Österreich vermehrt die gängigen unbeschwerten Huchenstreamer der Fliegenfischer mit vorgeschaltetem Blei oder Cheburashkas an der Spinnrute geworfen. Das Verwenden von Streamen von den bezüglich unbegrenzter Standortwahl, Wurfdistanz und unscheinbarer Präsentation ohnehin deutlich bevorteilten Spinnfischern, führt zu einer Überfischung des Köders und langfristig zur Verweigerung besonders bei klarem Niederwasser. Auch Profis tun sich dann schwer, noch Huchen zu fangen. Ist ein Ködern mal überfischt, weicht man bekanntlich auf einen anderen aus. Während Huchen-Spinnfischer mit verschiedenen Varianten des Huchenzopfes, Blinkern, Spinnern, Wobblern, Gummifischen, Twistern, Schwammkoppen, Jerk- und Chatterbaits, ... zahlreiche Ausweichmöglichkeiten haben, sofern ein Köder wegen Überfischung zur Verweigerung führt, stehen dem Fliegenfischer nur der Streamer und die Maus/Ratte zur Verfügung, wobei die Maus nur zu gewissen Zeiten und speziellen Situationen erfolgreich eingesetzt werden kann. Das bedeutet, ist der Streamer mal verbrannt, brechen die Fänge bei Fliegenfischern ein.
Lösungsansatz:
Streamer dürfen mit maximal 5 g auf dem Streamer verbauten Gewicht beschwert sein. Ein Befestigen von Zusatzgewichten auf der Schnur oder durch Einhängen im Hakenöhr (Cheburashkas) ist nicht gestattet. An Gewässern, an denen das Spinn- und Fliegenfischen gestattet ist, fischen Angler, die Streamer oder Mausimitationen einsetzen möchten, diese somit mit der Fliegenrute. Alle oben genannten Spinnköder kommen somit ausschliesslich an der Spinnrute zum Einsatz.
So ist gewährleistet, dass alle Angler die gleichen Auswahlmöglichkeiten haben, und das Fliegenfischen auf Huchen kann als Fischereitechnik auf diese Spezies langfristig erhalten werden. Bei Niederwasser sollte m. E. das Spinnfischern aus bereits erwähnten Gründen eingestellt werden. Bekannt wurde der Fall eines Spinnfischers an der Drau, der bei Niederwasser mit Fängen von mehreren grossen Huchen in Zeitschriften prahlte, bis er schließlich des Reissens (bewusstes Fehlhaken) von Huchen beim Sichtfischen überführt wurde. Dieser Verlockung können Spinnfischer bei Niederwasser erliegen, wenn Huchen sich vor ihnen tummeln, aber nicht beissen wollen. Es ist nicht schön anzusehen, wenn Huchen mit Spinnködern am Rücken herumschwimmen.
Die Prädatorenproblematik
Es ist noch gar nicht so lange her, da hiess es, der Huchen sei von Aussterben gerettet worden. Allerdings bieten heute nur noch ganz wenige Flussabschnitte dem Huchen die Möglichkeit, sich erfolgreich fortzupflanzen. Als besonders wertvoll gelten nördlich der Alpen die Gail und einige Abschnitte der Mur. Auch am Balkan sind zahlreiche Huchenflüsse nicht mehr selbsterhaltend oder sind von Kraftwerken bedroht. Deshalb ist sein Bestand fast überall auf Besatz oder Zusatzbesatz angewiesen.
In den später 80er Jahren tauchten erstmals grosse Schwärme von Kormoranen auf, die riesige Lücken in die Fischbestände rissen. Die Äsche, der mancherorts bedeutendste Futterfisch des Huchens, war besonders stark betroffen. Später kamen noch Gänsesäger hinzu, und seit ca. 10 Jahren jagen auch grosse Zahlen von Ottern in den Voralpen nicht nur nach seinen Futterfischen, sondern auch nach dem Huchen selbst.
Dies bleibt nicht ohne Folgen v.a. für den Besatz. Es wird zunehmend schwieriger Jährlinge zu besetzen, die ja zusätzlich auch noch zum Teil von adulten Huchen und Ottern gefressen werden. In einigen grossen, nahrungsreicheren Flüssen wurde in der Vergangenheit mit adulten Regenbogenforellen versucht dem Vogelfrass gegenzusteuern. Fische jenseits von 50 cm Länge sollten die fliegenden Prädatoren vom Fressen der Besatzfische abhalten. Ich bin ein Verfechter der "so klein wie möglich, aber so gross wie nötig" Formel. Der Besatz von adulten Forellen strapaziert diese Formel und ist für manche sicher fragwürdig und teuer, doch stellt er an Flüssen, an denen die Fische gewichtsmässig noch zulegen können, zumindest sicher, dass nicht alle Besatzfische den Prädatoren zum Opfer fallen.
In manchen Flüssen wurde festgestellt, dass zwar zahlreiche grössere Exemplare, jedoch kaum juvenile Huchen vorhanden sind. Von einer Pyramide beim Bestand ist nichts zu spüren. An einem Huchenfluss tauchten letztes Jahr plötzlich wieder Jungghuchen im Fang auf, obwohl ich in all den Jahren zuvor nur einen einzigen juvenilen Fisch fing. Offenbar dürfte es sich hier um einen Besatz von ca. 3-jährigen Fischen handeln, der nun Früchte trägt. Ein dreijähriger Huchen mit 50 cm ist mit einer Forelle von 20 cm vergleichbar (und sollte deshalb auch nie gezielt angefischt werden). Geschlechtsreif wird er frühestens mit 70 cm und einem Alter von 5 Jahren. Also ist ein Besatz mit juvenilen 3+ Fischen durchaus vertretbar, sollte dies zu weniger Ausfall führen. Auch der vor ca. 10 Jahren getätigte Besatz von 500 Fischen von 50-60 cm Länge vom Fischereiinstitut in Bled, der damals von den Kraftwerken bezahlt wurde, schlug gut an. Die markierten Fische wurden in der Sava oberhalb der Staumauer in Kranj besetzt und traten in Folge bis 20 km stromauf vermehrt im Fang auf. In manchen Gewässern können also auch zu kleine Besatzfische ein Grund dafür sein, warum weniger Huchen nachwachsen und somit die Fänge ausbleiben.
Das Otterproblem
Zu welchem Prozentsatz die Otter an den teils deutlichen Rückgängen der Fangzahlen Schuld sind, ist schwer zu beurteilen. Dass sie auch vor Grosshuchen jenseits von 130 cm nicht halt machen, belegen die Flossenschäden. Auch getötete, adulte Fische wurden mehrfach nachgewiesen. Für mich ist auffällig, dass ich vor 3-5 Jahren zahlreiche Huchen mit stark verbissenen Flossen fing. Wenn es sich um Hartstrahlen handelt, wachsen sich solche Flossen nicht dahingehend aus, dass dies später nicht mehr erkennbar wäre. Trotz dieser Tatsache, habe ich nur noch einzelne angeknapperte Huchen gefangen. Der grosse Teil blieb verschollen. Dies zeigte sich auch bei anderen Profis. Es ist also anzunehmen, dass diese Fische, besonders im Bereich von 80 cm bis 1 m wirklich fehlen. Es wurden getötete Huchen am Wasser aufgefunden (siehe Bild), jedoch dürfte dies nur ein Teil der wirklich eliminierten Fische darstellen, da diese von Füchsen, etc. vom Ufer weggezerrt und irgendwo im Dickicht verspeist werden. Wenn nun auffallend viele Huchen fehlen und nur noch grosse Fische im Gewässer sind, dann ist anzunehmen, dass in erster Linie ein zu hoher Otterbestand dafür verantwortlich ist.
Lösung: Umstellung auf grössere Besatzfische, sofern die Verfügbarkeit von ausreichend Nahrung gegeben ist und zahlreiche Prädatoren vorhanden sind. Prädatoren müssten unbedingt auf ein vernünftiges Maß reduziert werden, um die erfolgreiche Rettung des Huchens nicht erneut zu gefährden.
Nach extremen Hochwässern mit Verdacht auf einen Totalausfall von Cypriniden stellt sich auch die Frage, ob evtl. auch ein Initialbesatz mit Döbeln und Nasen angebracht wäre.