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Die Regenbogenforelle als bester Bioindikator

Bioindikator Regenbogenforelle

Warum nur sie intakte Gewässer anzeigt

Gerade eben bin ich über ein Interview gestolpert, das Dipl.-Ing. Dr.nat.techn. Stefan Schmutz, Universitätsprofessor an der Universität für Bodenkultur Wien und Bewirtschafter mehrerer Innreviere dem Tiroler Fischereiverband gegeben hat.

Zum Thema Regenbogenforelle merkt Uni-Prof. Dr. Schmutz an: "Ein mehr als 20-jähriges Monitoring unseres Institutes an der naturnahen Ois (Oberlauf der Ybbs) zeigt eine stabile Koexistenz der beiden Arten, deren Bestände in dieser Strecke ausschließlich auf natürlicher Reproduktion basieren. Das Fehlen der Bachforelle ist in den meisten Fällen wohl eher auf ungünstige Umweltbedingungen zurückzuführen als auf eine mögliche Konkurrenz durch die Regenbogenforelle."

Regenbogenforelle einzige Indikator

Das Thema Regenbogenforellen und Konkurrenz scheint somit auch bei führenden Köpfen der Fischerei- und Habitatsmanagementforschung endgültig vom Tisch zu sein. In der Schweiz geht es bekannterweise noch etwas länger. Die Regenbogenforelle ist, wenn sie sich einmischen und selbsterhaltende Populationen bilden kann, jedoch viel mehr als nur ein Mitbewohner. Sie ist der beste Bioindikator für ein funktionierendes Schotterlückensystem.

Dies deshalb, weil sie auf Nahrung angewiesen ist, die sie auf Kopfhöhe oder über ihr bekommt. Nahrung von Boden auszunehmen behagt ihr nicht auf Dauer, weil sie rein anatomisch gesehen im Gegensatz zur Äsche mit ihrem unterständigen Maul, dafür nicht ausgerüstet ist. Da sie unter normalen Umständen höher in der Wassersäule im Freiwasser schwimmt, benötigt sie über das ganze Jahr verteilt Insekten, die aus dem Interstitial hochsteigen und die sie auf dem Weg dorthin oder an der Wasseroberfläche erhaschen kann. Und sie braucht viel davon, im Gegensatz zu Bachforellen und auch Äschen die stundenlang fast regungslos am Gewässergrund verharren können. Kommen Regenbogenforellen in einem Gewässerabschnitt ohne Zufütterung in allen Altersklassen vor, zeugt dies von einem exzellenten Gewässerzustand.

Habitatsverlust

Wird das Schotterlückensystem verstopft, so kommt es zum Verlust der Eintags- und Steinfliegen, die es hauptsächlich besiedeln. Gammariden und Köcherfliegen sind weniger darauf angewiesen. Köcherfliegen reagieren dann meist augenblicklich mit einer gesteigerten oft sogar extremen Vermehrung. Davon profitieren die Äschen und auch Groppen, die Regenbogenforellen finden jedoch nur noch für einen kleinen Teil der Population geeignete Nahrung vor.

Ich habe mich an vorderster Front für den Besatz der Regenbogenforelle in den Schweizer Binnenkanälen im St. Galler Rheintal eingesetzt und es war berechtigt und richtig. Aber genau aus obigem Grund würde ich es heute nicht mehr tun. Es hat sich von meiner Seite her nichts geändert. Ich bin weiterhin der Meinung, dass die Regenbogenforelle unproblematisch gegenüber Bachforellen und Äschen ist. Sie ist, wenn sie richtig besetzt wird, ein Fisch, der ein System bereichern kann. Durch meine äusserst lange, intensive Beschäftigung mit diesem Fisch auf mehreren Kontinenten habe ich ihre Phänotypen verstehen und deren Bedürfnisse kennengelernt und ich weiss, wo der Fisch besetzt werden kann und wo Besätze Schiffbruch erleiden werden.

In den letzten Jahren 20 Jahren haben sich die Binnenkanäle extrem verändert. Eintagsfliegen zu sichten, ist heutzutage schon fast eine Seltenheit. Früher waren die Schlüpfe so stark, dass so viele Forellen an der Oberflâche tafelten, dass man hätte meinen können es regne. Mit den sinkenden Grundwasserständen und der damit einhergehenden Kolmatierung und dem bitteren Verlust sämtlicher Laichhabitate verschob sich die Nahrungsgrundlage hin zu Köcherfliegen und Gammariden. Momentan sind es wahrscheinlich gar zum Großteil nur Gammariden. Das passt noch für Regenbogenforellen bis 10-15 cm Länge, da sie in dieser Grösse driftende Gammariden endständig aufnehmen können und die Nähe zum Gewässergrund keinen maßgeblichen Energieverlust bei der Nahrungsaufnahme nach sich zieht. Grössere Fische müssten wiederum Pendeln, was sie jedoch längerfristig nicht machen. Deshalb ist wohl jede Regenbogenforelle über dieser Grösse ein Besatzfisch, ein sinnloser bzw. kurzfristiger Gast, denn er wird nicht bleiben, da die Art typische Nahrung schlicht fehlt!

Verfügbarkeit von Nahrung entscheidend

Früher wurden vielerorts noch häusliche, organische Abfälle in Flüssen und Bächen entsorgt, was zu unnatürlich hohen Forellendichten führte. Mit dem Bau von Kläranlagen waren es die Regenbogenforellen, deren Zahlen zuerst abnahmen. Durch falsche Besatzmengen und -fische würde den Regenbogenforellen der Stempel der Abwanderungstendenz aufgedrückt. Zum Teil mögen es wirklich unpassende Besatzfische und -grössen gewesen sein. Viel wahrscheinlicher war jedoch in den meisten Fällen die ungenügende Verfügbarkeit von Nahrung der Hauptgrund für die Wanderung flussabwärts, wo die Aussicht auf Nahrung in der Regel grösser ist. Wären da nur nicht die Querverbauungen, die eine Rückkehr verhindern. Man würde es nicht für möglich halten was zwischen Arten aber auch untereinander bei an und für sich sehr territorialen Fischen alles möglich ist, wenn Nahrung im Überfluss vorhanden ist.

Ich vernehme immer wieder den Ruf nach Besatz mit Regenbogenforellen. Allerdings braucht es dazu auch die entsprechenden Gewässer mit ausreichend Nahrung und entsprechende finanzielle Mittel. Ja, man kann mit ihr auch künstlich viel machen, und ich hätte da durchaus auch Ideen, die mit großer Wahrscheinlichkeit zu einer exzellenten und spektakulären Fischerei führen könnten.  Die Regenbogenforelle ist jedoch kein Allheilmittel und bei manchen Rufen, die ich vernommen habe, würde ich die Erwartungen an den Fisch deutlich dämpfen. Es sind viele Faktoren, die es bei Regenbogenforellenbesätzen zu gewichten gibt, sollen sie schliesslich erfolgreich sein.

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